Hui-Yan LiFONDSTIQUE
FONDSTIQUE
Begegnung und Orientierung in einer virtuellen 360°-Messe. Konzeption, User Flows und UI für die digitale Anlegermesse der Fondsboutiquen.
- Konzeption
- User Flows
- UI
- Illustration
- Agenturprojekt für HANSAINVEST · 2022

01 Überblick
Worum es geht
Die digitale Anlegermesse der Fondsboutiquen (HANSAINVEST) ist eine begehbare virtuelle 360°-Welt. Für die dritte Ausgabe 2022 verantwortete ich den Weg von der UX-Konzeption über die User Flows bis hin zum UI. Die Herausforderung waren Begegnungen, die sich von selbst ergeben, und Orientierung, die sich von selbst erklärt. 1.091 Besucher:innen, 38.882 Interaktionen.

02 Ausgangslage
Eine Messe zum Betreten
Fondsboutiquen sind kleine, spezialisierte Anbieter. Eine Präsenzmesse erreicht nur, wer anreist. Die dritte Ausgabe ist wie auch im Vorjahr digital, aber diesmal mit mehr Anspruch an Individualisierung, Interaktion und neue Liveformate.
Unsere Aufgabe war, eine Messe als Raum denkbar zu machen, in dem sich Besucher:innen bewegen, orientieren und austauschen, ohne Einweisung.
03 Herausforderung
Selbst erklärte
virtuelle Welt
Daraus ergaben sich vier Fragen:
- 01
Orientierung
Wie finden Besucher:innen ohne Navigation ihren Weg? - 02
Begegnung
Wie entsteht das Gespräch, das sich sonst im Gang ergibt? Wie trifft man sich in einer virtuellen Messe? - 03
Lesbarkeit
Wie bleibt der handgemachte Markenstil von HANSAINVEST auch in Tabellen und auf Flächen lesbar? - 04
Perspektive
Wie stimmt ein Layout, das nie frontal gesehen wird, im gerenderten 360°-Bild?
03.1 Orientierung
Die Architektur übernimmt die Navigation
Der Einstieg führt ins Foyer: in der Mitte der Empfangstresen mit „Willkommen“ und Info-Button, rechts der Login zur Livestream- und Meeting Area. Ohne Menü übernimmt die Architektur die Wegeführung:

- Runde Buttons drehen sich im Raum. Ein Hinweis, dass man hier klicken kann.
- Wandpfeile zeigen auf Agenda und Keyfacts. Das Wichtigste für den Kunden ist visuell hervorgehoben.
- Schrift auf dem Boden benennt, wohin ein Weg führt.

Zur Orientierung habe ich eine Legende gestaltet. Per Klick fährt sie vom rechten Rand herein und wieder hinaus. Jedes Symbol sitzt auch auf den runden Buttons im Raum, viele davon von Hand gezeichnet, nah an der Handschrift der Marke.
03.2 Begegnung
Das Gespräch ist eingebaut
Was auf einer echten Messe nebenbei passiert, brauchte in der virtuellen Welt ein Interface.
Am Aussteller-Stand gibt es Infoflyer und Filme, dazu drei Wege ins Gespräch. Die Besucher:innen können ihre Visitenkarte mit Nachricht in den Briefkasten werfen, einen Termin direkt buchen oder die Kontaktdaten der Ansprechperson sehen.
Ausprobieren: Briefkasten, Bildschirm und Infosäule anklicken







Für das persönliche Gespräch gibt es die Meeting Area. Ein 1:1-Videocall beginnt dort so beiläufig wie das Gespräch zwischen den Ständen. Außerdem steht ein Messenger allen Besucher:innen und Ausstellenden zur Verfügung.
Der Live-Moment
Kurz vor einem Live-Event erscheint oben rechts ein Countdown mit Button zum Stream. Sichtbar, aber ohne den Rundgang zu stören.

03.3 Lesbarkeit
Lesbarkeit gegen Verspieltheit
Dem handgemachten Stil stand die Lesbarkeit entgegen. Eine Handschrift braucht Raum und ist für Fließtext nicht geeignet. Die Lösung ist eine visuelle Aufteilung, wie auf den Screenshots zu sehen: Handschrift für Titel, Zahlen und Akzente, eine klare Druckschrift für Fließtext und Tabellen. Hier entstanden die meisten Iterationen.
Stilfragen habe ich entscheidbar gemacht. Zu jedem Punkt gab es zwei bis drei Varianten, mit Empfehlung und Begründung.

„Meine Aufgabe war, die Balance zu finden: so viel Handschrift wie möglich, so viel Lesbarkeit wie nötig.“
03.4 Perspektive
Gestalten für eine 360°-Kamera
Die Flächen werden nie zweidimensional betrachtet. Die 360°-Kamera verzieht jede Wand- und Bodengrafik. Also lieferte ich alle Grafiken an die 3D-Abteilung, prüfte im Rendering, korrigierte, bis die Wirkung im Raum stimmte.

04 Ergebnis
Fast doppelt so viele Besuche am Stand wie im Stream.
Die Interaktionsrate mit den Funktionen fiel höher aus als in den Vorjahren. Der Kunde war mit Reichweite und Resonanz zufrieden. Die FONDSTIQUE-Messe 2022 in Zahlen:

Was ich anders machen würde
Ich würde mehr erheben als Klicks. Aussagekräftig sind die Zahlen, die den Kontakt zeigen: eingeworfene Visitenkarten am Stand, gebuchte Termine, geöffnete Kontaktdaten.
Diese Zahlen entstehen in der Welt selbst, niemand muss sie bei den Ausstellern erfragen. Sie hätten die Frage beantwortet, die bis heute offen ist. Was hat die Messe den Ausstellern gebracht?
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Ein Begleiter, der nicht bewertet. Konzept und lauffähiger Prototyp einer Selbstfürsorge-App.
